
Concarneau
(Finistère) ist ein nach wie vor bedeutender Fischereihafen und in der Saison ein beliebtes Reiseziel der Sommergäste. Dabei werden diese vor allem von der sogenannten "ville close", der befestigten Altstadt angezogen. Die ca. 500 m lange vor der Stadt gelegene Insel wurde bereits ab dem 13.Jahrhundert befestigt später
von Vauban mit massiven, teilweise meterdicken Festungsmauern gesichert.
Heute ist diese imposante Inselfeste ähnlich dem Mont-Saint-Michel und anderen architektonischen bretonischen Wallfahrtsorten des internationalen Tourismus eher eine teure Verkaufsmeile mit viel Nippes, touristischen Pseudoschnäppchen, die tagsüber
einer Shopping-Passage gleicht.
Erst gegen Abend, wenn die Läden ihre Auslagen wegräumen und nur noch Restaurants und Creperien geöffnet sind, dann kehrt allmählich eine angenehme und beschauliche Ruhe ein. Jetzt kann man das beeindruckende Ambiente dieser massiven Inselfestung in aller Ruhe geniessen und ungestört durch die großen
und kleinen Gassen bummeln.

Wo
sich noch vor kurzem eine Touristengruppe nach der anderen durch die "Hauptstraße" der kleinen Altstadt schob und drängelte, erinnert jetzt nur noch das eine oder andere erleuchtete Schaufenster mit Schnickschnack und bretonischen Spezialitäten an den Konsumrummel, der sich hier tagsüber
abspielt.
Jetzt ziehen die Düfte der Menus, der Galettes und der Crêpes, die in den Restaurants am zentralen Marktplatz zum Einkehren locken durch die kleinen, winkligen Gassen und Wege. Jetzt entfaltet Concarneau seinen wirklichen Charme, so wie ich es schon oft in der Bretagne erlebt habe. Abends, nachdem sich die Touristenmassen wieder in ihre Hotels zurückgezogen
haben, dann werden Orte wie dieser erst wirklich interessant und offenbaren ihren
wahren Zauber. Gerade bei Sonneuntergang kann man hier verzaubernde Momente erleben.
An diesem Abend hatte uns Dominique, der Akkordeonist und binioù-Spieler der Gruppe Dremmwel zu einem Konzert in der "ville close" in Corncarneau eingeladen. Wir waren früh vor Ort und folgten der nur noch spärlich bevölkerten Hauptstrasse, bis wir irgendwann Musik hörten. Wir folgten den Klängen und kamen schließlich
an einen stimmungsvollen kleinen Platz, der entlang der Befestigungsmauer als
eine Art Amphytheater, als Veranstaltungort umgestaltet worden ist.

Von
den Musikern war noch nichts zu sehen, die Bühne und die Instrumente waren schon aufgebaut und nur wenige Leute hatten sich so früh eingefunden, um sich gute Plätze für
das Konzert zu sichern.
Während wir noch auf den Mauern herumkletterten und uns die Anlage ansahen,
ging langsam die Sonne unter und der Platz begann einen ganz eigenen Zauber zu
entfalten. Zur Musik der aktuellen CD von
Pascal Lamour fand sich
nach und nach das Publikum ein, die Ränge des erhöhten Amphytheaters fällten sich allmählich.

Dann
trafen auch die Musiker ein. Instrumente wurden ausgepackt und gestimmt, die übliche Routine ... Die Dudelsackspieler verziehen sich in die abgelegeneren Winkel zum ein- und warmspielen ihrer empfindlichen Instrumente. Marin L'Hopiteau, der Harfinist der Gruppe stimmt seine keltische Harfe und überall auf den Mauern rund um die Bühne
machen es sich die Konzertbesucher bequem.
Die Gruppe Dremmwel hat eine feste Fangemeinde. Dies ist vor allem auf ihre Beschäftigung mit den Tänzen der Region "Glazik", der Umgebung von Quimper, zu tun. Lange Zeit waren diese Melodien und Tänze in Vergessenheit geraten. Dann trug das Interesse der Musiker von Dremmwel an den historischen Wurzeln der bretonischen Musik Früchte. Sie stießen auf alte Quellen, die es ihnen ermöglichten, die originären Tanzmelodien des "pays glazik" wieder zum Leben zu erwecken und schon bald zogen sie damit die Tänzer und Tänzerinnen der Region an, die begeistert die Möglichkeit wahrnahmen und wahrnehmen, um die alten Tänze
wieder zu tanzen.

Und
kaum hatten sich Musiker der Gruppe auf der Bühne zusammengefunden, um mit dem Konzert zu beginnen, da sprangen die ersten Tänzer auch schon auf die Bühne und reihten sich auf und ein zur ersten Gavotte des Abends - dieser Gavotte sollten dann noch viele andere Tänze
folgen.
Das Konzert war in jeder Hinsicht ein Erlebnis. Wer noch nie auf einem fest-noz,
einem der traditionellenbretonischen Tanzfeste war oder auf irgendeiner anderen
Veranstaltung, wo zum traditionellen Tanz aufgespielt wird, der kann sich nur
schwer die Stimmung vorstellen, die sich schon bei den ersten Tönen entwickelt. Tanzen, das ist eine der Leidenschaften der traditionsbewußten Bretonen, die das ganze Jahr über jede Gelegenheit nutzen, um sich hier zu einem klassen-, alters- und grenzenlosen gemeinsamen Vergnügen
zusammenzufinden.

Auch
wenn es in der letzten Zeit immer wieder Kritiker gibt, die sich darüber beklagen, dass es immer mehr Leute gibt, die solche Tanzveranstaltungen eher als eine Art touristisches oder sportliches Event anzusehen und aufzusuchen, so überweigt doch bislang der Anteil der Besucher, die sich vor allem für die sozialen Aspekte dieser Veranstaltungen interessieren. Hier trifft man sich, man tanzt, man erzählt, man trinkt und ißt und man genießt
den Abend.
Die Gruppe Dremmwel ist auch im Sommer und Herbst 2003 noch mit einigen
Konzerten in
der Bretagne vertreten und vor allem ein gemeinsamer Auftritt mit der Sängerin
Louise Ebrel (der
Tochter der vor kurzem verstorbenen letzten Schwester des legendären Gesangstrios "les soeurs Goadeg")
ist unsere Empfehlung und Ihren Besuch wert.
Aufnahmen vom Konzert der Gruppe Dremmwel in Concarneau im August 2002:
(Klicken Sie bitte auf die Bilder, um sie in einer größeren Abbildung
zu sehen)