Mit
Worten, scharf wie ein Korallenriff tauchte Dom Duff eines Tages in der Szene
auf. Er sang solo, er sang bretonisch und niemand hatte ihn so recht erwartet.
Während
die Bretagne gerade im Umbruch war, geißelte er jeglichen
Konsens, indem sich bei ihm gerade mal eine Strophe auf 10 seiner Spottverse
reimte, was Bände sprach über seine Hartnäckigkeit und seine Respektlosigkeit.
Als würdiger Nachfahre der Beat-Poeten, macht dieser Wilde vor allem das,
was ihm gefällt.
"Lagan", sein neues Album, das wie schon die
vorherige CD, in Pascal Lamours BNC-Studio aufgenommen wurde, präsentiert nun
ganz offensichtlich einen Stilwandel.
Dom Duff wurde in eine Familie von Bauern und Algensammlern
geboren und wuchs mit Bretonisch , das sowohl sein
Vater wie auch sein Großvater sprachen, als Muttersprache auf. Beide waren
Laienschauspieler in einem zweisprachigen Theater und sangen bei den abendlichen
soirées (veillées bretonnes)
alles, was man auf keinen Fall im Kirchenchor singen durfte.
Seine musikalischen
Anfänge
gehen auf das Jahr 1974 zurück. Auf die erste Gitarre folgten bald
die ersten dilettantischen Auftritte bei den festoù-noz mit einer kleinen
Gruppe, bevor es zu einem kurzen Intermezzo bei der Gruppe Klaskerien
kam.
Diwall, die Gruppe, die er 1995 gründet, bot ihm die Gelegenheit
für
professionelle Bühnenauftritte
und er konnte bretonische Tanzmusik spielen während er sich nebenbei immer
noch genug Zeit freihielt, um Folk, Blues und Rock zu spielen.
"Ich fing
mit Bob Dylan an, spielte viel Country und Bluegrass, ich verehrte Neil Young
und hörte schottische Musiker wie Dougie Mac Lean, Rory Mac Leod und Michael
Chapman, bei dem es reichlich interessante Dinge auf der Gitarre zu entdecken
gab. Nach und nach probierte ich verschiedene Stimmungen aus. Zum Beispiel DADGAD,
aber vor allem Stimmungen aus dem Bluegrass oder solche, die auf den Notensystemen
von Dudelsäcken beruhten."
Von der Gruppe zum Solisten
Seit jeher bezog Dom Duff seine Inspirationen aus dem aktuellen Zeitgeschehen
und er hatte immer mehr Melodien und Texte angesammelt, um damit in Folkclubs
und in der Kleinkunstszene aufzutreten.
"Das ist eine ganz andere Welt als
die der festoù-noz, wo es sehr schwierig ist, die eigene Kreativität
anders als über den Tanz auszudrücken."
Gemeinsam mit walisischen und irischen Kollegen, die bei den Gruppen "Boys
from the Hills" oder "Kila" spielten, begannen alle zusammen
neue, eigene Titel zu komponieren.
"Wir regten uns gegenseitig an und stellten ein gemeinsames Projekt auf
die Beine, mit drei Gitarren auf der Bühne auf bretonisch, walisisch und
gälisch."
Als gefragte Musiker in den Ländern, wo ihre jeweiligen
Sprachen kaum bekannt waren, entdeckten sie, dass diese ihre "Exotik" in
Europa gut ankam.
"Sich in einer anderen Sprache auszudrücken, das
erschreckt die Leute in Frankreich. Wenn man bretonisch singt, dann ist das eher
ein Vorteil für Gruppen, die Grunge Punk spielen als im Folkgenre,
das mittlerweile gesellschaftlich anerkannt ist. Ich weiß zwar nicht, ob
das stimmt, aber ich habe das Gefühl,
dass es eventuell günstiger ist sich erst woanders einen Namen zu machen,
bevor man dann hier akzeptiert wird. Ich bin gerne bei sogenannten "aktuellen" Events
dabei, bei denen es opportun ist, unorthodox zu sein, so wie bei dem Harley-Davidson-Treffen,
bei dem ich vor kurzem war. Ich stelle vor allem fest, dass man dort ziemlich
unorthodox auftreten muss, um eine gute Figur zu machen (Lachen). Die Veranstalter
müssen den künstlerischen Aspekt in der Regel wohl oder übel der
Rentabilität
unterwerfen."
Mit Lamour
Ohne sich in der Vergangenheit großartig um irgendeinen Support oder
eine P
lattenproduktion zu kümmern, hat Dom Duff eines Tages Pascal Lamour
kennen gelernt, der ihm spontan vorschlug, sein erstes Album zu produzieren.
"Nachdem
ich umgezogen war, wurden wir ganz zufällig Nachbarn und wir waren uns schnell
sympathisch. Wir sind beide sehr ungeduldig und so kamen wir schnell zum Wesentlichen.
Er hat eine ganz eigene Vorgehensweise und wir waren uns über die Produktion
sofort einig. Als wir dann an der zweiten Platte arbeiteten, da kommunizierten
wir perfekt. Ich selber komme mit dem PC nicht besonders gut klar,
aber ich teile seine Neigung für einen etwas unreinen Klang, so die angelsächsische
Variante. Pascal mischt sich immer wieder ein und macht mir Vorschläge für
die Instrumentierung. Ich gestehe, dass ich einiges davon abgelehnt habe."
Nur auf bretonisch
Dom Duff erklärt sehr offenherzig, dass bretonisch zu singen für
ihn nicht anderes ist, als "auf bretonisch zu singen!", auch wenn ein
bestimmter Teil des Publikums darin gerne einen politischen Aspekt sehen würde.
Es liegt einfach in seinem Blut und er liebt den Klang der Sprache.
"Erst
einmal singe ich irgendwas, lalala, und dann füge ich die bretonischen Texte
hinzu. Die wirkliche Herausforderung besteht darin, auf den Klang der Worte zu
achten, um damit Texte rüberzubringen, die genauso poetisch, angemessen
und unterhaltsam sind wie in jeder anderen Sprache. Ich verwende in erster Linie
den bretonischen Dialekt der Region Léon, ich vermische es aber auch
mit Wendungen aus anderen Dialekten. Ich hatte diese Klänge schon immer
im Ohr, ich habe aber erst in meiner Jugend entdeckt, wie nützlich das sein
kann. Zwischen der Sprache und der Musik besteht eine ganz bestimmte Beziehung.
Wenn man einen gesungenen Text hört,
dann versteht man oft den Grund für einen bestimmten Rhythmus dieses Liedes
viel besser, weil es die Silben und ihre Anzahl sind, die ausschlaggebend sind.
Auf der einen Seite gehört es in der Bretagne zum guten Ton, Instrumentalmusik
zu spielen, was jedoch das Verfassen von Texten angeht, dafür gibt es dort
keine große
Begeisterung, wenn man einmal von Ausnahmen wie Nolwenn Korbell, Louis-Jacques
Suignard oder Gwenyn Louarn absieht, die ihre eigenen Texte schreiben. Für mich
ist das ein Zeichen von Reife."
Da drückt sich die Herkunft aus !
In
Bretonisch ebenso wie in Französisch oder Englisch - einen Sänger
interessiert alles, was mit der Geschichte zusammenhängt. Was die Bretagne
angeht, so fügen sich Fañch Helies (auch "Abeozen" genannt),
Denez Abernot oder Bernez Tanguy gut in die entsprechende Literatur ein und
auch die irische Literatur, die afrikanische. Auf eine ganz generalistische
Weise finden sie eigentlich alle dort ihre Referenzen. Aber unser Dialekt aus
dem Léon
("notre léonard"), das starke Bezüge zum angelsächsischen
Kino hat, vor allem hinsichtlich der sehr sozialen Aspekte und des Humors, zitiert
nicht selten Cohen (den Liedermacher) oder Ronan Doyle. (...) Was also sollte
die sprachliche Quelle für die Themen sein, die Dom Duff gerne in seinen
Liedern wollte. Mit aktuellen Bezügen auf die mehr oder weniger traurige
Gegenwart oder auf die alten Geschichten, die er manchmal sehr phantasievoll
behandelt.
"Unter dem Deckmantel des Pluralismus verbirgt sich heutzutage
eine große Angst, und zwar die, dass unsere Ursprünge wieder zum
Vorschein kommen. Ich finde die Musik von heute ebenso wie ihr Publikum ziemlich
angepasst. Ich persönlich bekenne mich ebenso zur Gehässigkeit des
Punk wie zur Einfachheit der traditionellen Musik. Wenn ich dann vor einem Publikum
in Occitanien, in Wales oder im Baskenland spiele, kommt diese Botschaft sofort
an. In diesem Sinn ist mein Ansatz ein politischer. Ich würde einem Musiker,
der irische Musik spielt, gerne sagen, dass er doch erst einmal die Message
dessen, was er singt, verstehen soll, bevor es es falsch interpretiert. Als erstes
man muss das Volk respektieren, von dem man etwas übernimmt, bevor man sich
seine Lieder aneignet."
Ein Publikum in der Bretagne ?
"Das musikalische Milieu von heute ist hat sich in einer ganz bestimmten
Weise entwickelt. Das heißt,
es ist mittlerweile so kompliziert, dass ich immer noch Probleme habe, mit einer
Rock- oder Bluesgruppe zu überleben. Aber mir ist nicht klar, ob die künstlerische
Nachfrage mehr mit diesem Kontext oder mit der aktuellen Musik an sich zusammenhängt."
Obwohl
es ihn immer noch erstaunt, dass er insgesamt gut ankommt, vor allem im Bereich
der zeitgenössischen Musik (auch das schnelle
und positive Feedback auf sein erstes Album, das von der Presse gefeiert wurde
und immer noch gefeiert wird, hat ihn bestätigt) hat Dom Duff mittlerweile seinen
Platz gefunden.
Als intuitiver Schöpfer eines Sounds, den er eher als Schönheitsfehler
bezeichnen würde, meint er, dass das Ergebnis als ganzes ebenso wichtig ist wie
alles andere.
Und dann, während er sich wieder einmal bei zeitgenössischen Sängern wie
David E. Ewars, Seth Lakeman oder Martin Stephenson einen Zwischenstopp einlegt,
bewundert er deren sehr rauen Ton und ihre Aussagen, die er sich gerne zu eigen
macht.
"Was schert mich die Vergangenheit, wenn nichts von ihr bleibt
als die Nostalgie!".
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Discographie:
2003 – "Straed an amann" (BNC-Prod. / Coop Breizh)
2006 – "Lagan" (BNC-Prod. / Coop Breizh)
Live Solo:
Dom Duff: Gesang, Gitarre
oder als Trio mit:
Pascal Lamour: Keyboard, Gaita, Bombarde, Saxophon
Herri Loquet: Cajon, Schlagzeug, Percussion
Kontakt:
www.domduff.com
in Deutschland:
TraDuTrad / Willi Rodrian, Tulbeckstr. 48 Sgb., D-80339 München
www.tradutrad.de, info@tradutrad.de,
+49-(0)89-500 966 53, +49-(0)171-633 93 82
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Übersetzung: W. Rodrian