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Kreizenn Sevenadurel Lannuon/Centre Culturel de
Lannion
Interview mit
Didier und Laurence Bécam
Anläßlich meines letzten Bretagne-Aufenthaltes
im August/September 2000 war es mir möglich, ein Interview mit Didier Bécam,
den "Macher im Hintergrund" der éditions Bro Dreger, und seiner Frau,
Laurence aufzunehmen.
Die beiden sind engagiertete Aktivisten der nicht-professionellen bretonischen
Musikszene (von Beruf Ingenieur und Lehrerin) und geben seit 1984 die éditions
Bro Dreger heraus, eine hervorragende Dokumentation der regionalen bretonischen
Musikszene im Trégor. Beide konnten 1999 ihre Dissertationen zum Thema "Das
bretonische Liedgut" erfolgreich abschließen.
Didier, ein paar Worte zur Geschichte des Centre Culturel de Lannion?
Das Centre Culturel de Lannion existiert seit mittlerweile mehr als 20 Jahren.
Es existierte bereits, als wir, Laurence und ich, nach Lannion zogen. Zuerst
wurden dort vor allem Vorträge veranstaltet. Im Centre Culturel de Lannion
trafen sich die Intellektuellen und diskutierten über die bretonische Kultur.
Später ging dann alles sehr schnell. Es kamen viele neue dazu und nach intensiven Überlegungen
begannen wir damit, Bretonisch-Kurse anzubieten. Eine ganze Menge Leute besuchte
diese Kurse und nach und nach veranstalteten wir auch Kurse für Bombarde
und Binioù ... später auch Kurse für andere Instrumente: Querflöte,
Akkordeon usw.
"1984 schließlich sagten wir uns, daß es interessant
wäre, eine Cassette mit den Musikern aus der Region aufzunehmen. Mit den
Musikern von damals, die heute gar nicht mehr auftreten. Das war der Anfang."
Man kann also sagen,
es entwickelte sich eine äußerst intensive Kursarbeit...
Kurse für Erwachsene und für Kinder/Jugendliche, Musik- und Sprachkurse...
auch Tanzkurse, ebenfalls für Erwachsenen und für Kinder.
1988 schließlich sagten wir uns, daß es interessant wäre, eine
Cassette mit den Musikern aus der Region aufzunehmen. Mit den Musikern von damals,
die heute gar nicht mehr auftreten. Das war der Anfang, ... also die Idee, eine
Cassette aufzunehmen.
Anfangs ging es nur darum, eine einzige Cassette zu veröffentlichen um die
Spuren dieser Musiker zu dokumentieren. Danach - 12 Jahre später sind wir
jetzt bei der Nummer 12 unserer Edition angelangt, Cassetten und CDs.
Wie entwickelt ihr das Thema einer CD?
Das hängt ein wenig vom Zeitpunkt ab. Wie man sehen konnte, präsentierte
die erste Cassette etwas von allem, da gab es kein spezielles Thema. Zu Beginn
standen unsere gemeinsamen Treffen ... Leute, die sich zusammensetzten und darüber
sprachen, was man machen könnte.
Dann - klar, es war oft auch sehr schwierig. Die Sache mit der Demokratie, das
funktioniert nicht so einfach. Aber gut, später gab es dann ein System (so
etwas wie ein erleuchteter Despotismus... ), das heißt, man trifft sich
informell, in der Bar, beim Fest-Noz, und wenn ich dann eine Idee für ein
bestimmtes Thema habe, dann versuche ich herauszufinden, ob es den anderen gefällt.
Dann besprechen wir gemeinsam, ob sie jemanden kennen, der ein Lied über
ein bestimmtes Thema beherrscht, diesen oder jenen Titel.
Gut, das findet heute alles viel informeller statt. Oft schlage ich Themen vor
und dann sehe ich recht schnell, ob ein Thema auf Interesse stößt
oder nicht.
Wenn ein Thema interessant ist, dann gibt es eine Reihe von Leuten, die bereit
sind, daran mitzuarbeiten. In diesem Fall kenne ich immer zehn, zwölf Leute,
die ich zusammenbringen kann, um das Thema auf unterschiedliche Weise zu bearbeiten.
Du schlägst also die Themen vor?
Ja, oft bin ich es, der einige Titel zu Beginn eines Projektes vorschlägt,
gleichgültig, ob es sich um Gesang oder Instrumente handelt.
Sind die Themen auch von allgemeinen Trends beeinflußt?
Sagen wir mal so, es hängt ein bißchen von der aktuellen Situation
ab.Klar, zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise war das Akkordeon sehr
populär im Trégor und so erschien es dann auch sehr interessant,
ein Album mit dieser Musik aufzunehmen, weil es gerade damals auch sehr viele
Akkordeonisten gab.
Einige Jahre später war es dann die Querflöte, die sehr verbreitet
war. Es gibt dann auch entsprechend viele, die das Instrument recht gut spielen
und so ergibt sich die Gelegenheit... Fünf Jahre früher wäre eine
CD mit Flöten überhaupt nicht möglich gewesen. Da gab es noch
nicht genug Musiker, die dieses Instrument gut genug beherrschten, um eine CD
aufzunehmen.
So ist das oft mit bestimmten Instrumenten. Zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt
es dann genug Musiker. Anders sieht das beim Gesang aus oder bei den Musikern,
die Bombarde und Binioù spielen. Diese Genres sind zeitloser, das gibt
es schon lange.
Wie wird die Auswahl der Titel einer CD getroffen?Wer schlägt die einzelnen
Titel vor?
Nun, normalerweise treffen die Leute, die bei den Aufnahmen mitwirken, die Auswahl.
Jeder hat ein Mitspracherecht und man einigt sich im Laufe der Zeit auf die Titel.
Jeder kann vorschlagen, was er will, solange es nur zum Thema der CD paßt.
"Also, jeder kann vorschlagen, was ihm gefällt und bei einigen
CDs muß jeder zwei Titel vorschlagen. Dann gibt es einen Abend, an dem
alle Stücke vorgetragen werden und danach beschließen alle zusammen,
welches die interessantesten Stücke sind."
Klar hängt das davon ab, wie gut die Mitwirkenden sich kennen. Sie sprechen
sich ab, damit nicht alle das gleiche machen - auf der Tanz-CD (Bro Dreger III:
Dañses Plinn - Binioù/Bombarde) gab es keine zwei Musiker, die
den gleichen Tanz spielten - das muß alles erst mal so aufgeteilt werden.
Also, jeder kann vorschlagen, was ihm gefällt und bei einigen CDs muß jeder
zwei Titel vorschlagen. Dann gibt es einen Abend, an dem alle Stücke vorgetragen
werden und danach beschließen alle zusammen, welches die interessantesten
Stücke sind.
Das haben wir so gehandhabt bei dem Album "Danses Plinn - Binioù/Bombarde"...
im Prinzip bei allen CDs außer bei den letzten, da wäre es schwierig
gewesen zwei Stücke von den Musikern bei den Hörproben vorstellen zu
lassen. Aber sie brachten ein Demoband mit jeweils zwei Stücken und dann
haben alle gemeinsam entschieden, welches das bessere Stück ist.... so ungefähr
läuft das ab.
Sagen wir mal, manchmal gebe ich das Thema vor und manchmal sind die Mitwirkenden
völlig frei in dem, was sie tun wollen. Ich bin nicht der künstlerische
Leiter, sie sind wirklich absolut frei zu machen, was ihnen vorschwebt. Ich habe
mich noch nie in die Auswahl der Titel eingemischt, auch nicht in die künstlerische
Gestaltung der einzelnen Titel.
Du bist also eher der technische Direktor?
Meine Aufgabe ist es, die Projekte zu realisieren, das heißt, ich bringe
alle Mitwirkenden zusammen, ich sorge dafür, daß alle pünktlich
vor Ort sind, ich belege das Aufnahmestudio, ich organisiere das Abmischen, gemeinsam
mit Laurence entwerfe ich das Layout, mit Jamie McMenemy setzen wir uns dann
wegen der grafischen Gestaltung zusammen (er hat von Anfang an alle CD-Hüllen
entworfen).
Ich kümmere mich um das Pressen der CDs, um den Kontakt mit Coop Breizh,
wo die CDs vertrieben werden, ich erledige den gesamten Verwaltungsaufwand ...
bei den Aufnahmen bin ich auch dabei und ich entscheide auch, welche der Aufnahmen
schließlich verwendet werden...
Der Vertrieb erfolgt durch Coop Breizh?
Ja, seit kurzem, etwa zu 50%. Die Hälfte der CDs vertreiben wir selber,
im Direktverkauf. Die andere Hälfte wird von Coop Breizh übernommen,
die eine kommerzielle Vertriebsstruktur haben.
Das große Problem mit dem kommerziellen Vertriebsnetz besteht darin, daß die
Abnehmer, die Händler selber entscheiden, welche CDs aus dem Katalog von
Coop Breizh sie in ihr Angebot übernehmen wollen. Da wir keine sehr bekannten
Musiker in unserer Edition haben, ist das immer ein wenig problematisch.
"Die Gewinne eines Albums werden gleich wieder komplett in die Finanzierung
des nächsten Albums gesteckt und seit einiger Zeit - etwa seit der dritten
CD - sind wir völlig unabhängig, das heißt, wenn wir beschließen,
eine neue CD aufzunehmen, dann haben wir die Mittel bereits gesichert."
Wir haben auch keinen
Werbeetat. Aber was die CDs angeht, da sind die Verkäufe
bei Coop Breizh o.k. und es läuft gut. Ich denke, die Edition ist mittlerweile
ziemlich bekannt - immer angesichts der Tatsache, daß die Auflage pro CD
zwischen 500 und 1.000 Exemplaren liegt - das sind sind eben kleine Auflagen.
Wenn eine CD sich gut verkauft, dann wird nachgepreßt, aber bisher waren
es noch nie mehr als 1.000 Exemplare.
Was geschieht mit den Einnahmen, wie stellt sich die wirtschaftliche Seite
dar?
Das erste Album (Bro Dreger I: Chanteurs/Sonneurs en Trégor, wird derzeit
vorbereitet als CD-Wiederveröffentlichung) wurde gemeinsam mit der Organisation
Dastum herausgegeben. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich auch die Finanzierung.
Die Gewinne eines Albums werden gleich wieder komplett in die Finanzierung des
nächsten Albums gesteckt und seit einiger Zeit - etwa seit der dritten CD
- sind wir völlig unabhängig, das heißt, wenn wir beschließen,
eine neue CD aufzunehmen, dann haben wir die Mittel bereits gesichert.
Natürlich, unsere Arbeit ist ehrenamtlich und alle Mitwirkenden, die Musiker
beteiligen sich ohne Gage. Unsere einzigen Ausgaben bestehen also in den Aufnahme-
und den Herstellungskosten.
Wenn eine CD fertiggestellt ist, haben wir zwar kein Geld mehr (das kommt ja
erst durch den Verkauf wieder herein), aber wir haben auch keine Schulden!
Bis heute klappt das sehr gut. Das funktioniert deshalb so gut, weil wir selber
viel investieren und vor allem, weil keine Prozente für den Vertrieb und
für die Plattenläden weggehen. Wenn wir nur in den Läden verkaufen
würden, dann wäre die ganze Sache kaum zu finanzieren.
Die Grundidee der Edition ist die Dokumentation traditioneller Musik im Trégor?
Klar, das ist ist immer noch der Leitgedanke. Darüber hinaus geht natürlich
auch darum, musikalischen Amateuren die Gelegenheit zu bieten, unter proffessionellen
Bedingungen arbeiten zu können, aufnehmen zu können und auch darum,
bestimmte Titel in guter Qualität aufzunnehmen, damit sie den Platz erhalten,
der ihnen zusteht.
Der Beleg dafür, daß das gut funktioniert, besteht darin, daß eine
ganze Reihe Profimusiker umsonst bei uns mitmachen wollen. Ich denke da zum Beispiel
an Jean-Michel Veillon, Jean-Luc Thomas,... die heute von ihrer Musik leben können,
aber gerne bereit sind, zu denselben Bedingungen wie die Amateure mitzuwirken.
Aber die Grundidee bleibt wie gesagt, zu dokumentieren, auf welche Weise die
regionale Musik sich zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt.
Ich glaube beispielsweise, daß die Aufnahmen der CD "Dañses Plinn..." von
vor ca. zehn Jahren heute ganz anders klingen würde. Dieselben Musiker würden
heute nicht mehr dieselbe CD aufnehmen. Sie haben sich weiterentwickelt, sie
spielen haute anders, einige finden es heute sogar peinlich, etwas (wieder)zu
veröffentlichen, das sie vor zehn Jahren aufgenommen haben, weil sie finden,
daß sie inzwischen ganz anders spielen.
"Klar, es gibt Musiker, die nicht mehr leben oder die nicht mehr
auftreten und spielen. Von ihnen bleibt sonst nichts zurück, außer
dem, was wir machen."
Auf der anderen Seite stellen diese Aufnahmen Zeugnisse eines bestimmten Momentes
dar, eben der Musiker und wie sie damals eben anders gespielt haben.
Gut - ich glaube ganauso, was die CD "Flûte traversière en Trégor" angeht,
die wir vor kurzem aufgenommen haben - in zehn Jahren wird sie als musikalisches
Dokument hoch geschätzt werden.
Klar, es gibt Musiker, die nicht mehr leben oder die nicht mehr auftreten und
spielen. Von ihnen bleibt sonst nichts zurück, außer dem, was wir
machen.
Seit den Anfängen haben mittlerweile insgesamt 110 Personen an den Aufnahmen
mitgewirkt, 110 verschiedene Personen aus einer kleinen Region wie dem Trégor.
Das zeigt auch die Bedeutung und die Vitalität der Musik in der Region.
Warum gibt es noch keine homepage der "éditons Bro Dreger", wo doch
nahezu alle bretonischen Labels online vertreten sind?
Das liegt einfach daran, daß es noch niemanden gibt, der das machen will.
Wenn sich jemand bei mir melden würde, der das übernehmen will.. ich
fände das super.
Nachdem ich nicht alles machen kann... Aber gut, die CDs werden auf der homepage
von Dastum vorgestellt, auch bei Al Levrig und einige bei FNAC, das ist einer
größten Vertriebe.
Auch bei Coop Breizh gibt es einige sounddateien, die man dort auf der homepage
anhören kann, aber das stammt nicht von mir.
Könntet ihr die CDs nicht beispielsweise exclusiv bei Dastum präsentieren?
Also, nein - wenn wir ins Internet gehen würden, dann wäre es mit einer
umfassenden eigenen Präsentation: über das Centre Culturel, über
die Kurse, für Leute, dieallgemeinere Information suchen. Man muß darüber
nachdenken, aber eigentlich fehlt uns die Zeit dafür. Wir sind ein Verein,
der keine Angestellten hat. Die Leute, die die Kurse anbieten, sind mit der Verwaltung
ausgelastet.
Ich glaube auch, daß unsere "collection" zu speziell ist, um dafür
so viel Aufwand zu betreiben. Das sollte eher in einen größeren Rahmen
eingebunden sein. Wir nehmen ja nur eine CD im Jahr auf, also gibt es einfach
nicht genug Material für eine eigene homepage für die Edition.
Gibt es bereits Ideen für die CD Nunmmer 13?
Also im Moment gibt es eine kleine Pause, ich brauche mal eine Auszeit. Zur Zeit
sind keine Projekte in Planung.
Unser einziges Projekt besteht momentan in der Wiederveröffentlichung der
allerersten Cassette ("Chanteurs/Sonneurs en Trégor"), das ist die einzige
Cassette, die noch nicht als CD herausgegeben wurde.
"Es ist ja so, daß es zur Zeit viele junge Musiker gibt, so
viele Jugendliche tauchen in der Szene auf und es wäre gerade jetzt interessant,
diesen Generationenwechsel zu dokumentieren. Aber sie müßten auch
selber aktiv werden und sich rühren."
Sie wird im kommenden
Jahr herauskommen, aber ansonsten gibt es keine aktuellen Projekte. Was ich mir
jetzt wünsche, das ist, daß jetzt auch mal Vorschläge
von den anderen kommen. Bisher kamen die meisten Vorschläge von mir und
ich sage jetzt: wenn ihr eine Idee habt, kommt zu mir, laßt uns darüber
reden und dann werden wir sehen, was man daraus machen kann.
Es ist ja so, daß es zur Zeit viele junge Musiker gibt, so viele Jugendliche
tauchen in der Szene auf und es wäre gerade jetzt interessant, diesen Generationenwechsel
zu dokumentieren. Aber sie müßten auch selber aktiv werden und sich
rühren.
Bleibt aber die Auseinandersetzung dieser jungen Musiker mit der traditionellen
Musik nicht etwas oberflächlich? Kopieren sie nicht nur die großen,
erfolgreichen Vorbilder? Wo bleibt die Suche nach einem eigenen Stil?
Da stimme ich dir zu. Es gibt viele Musiker, die zweifellos eine gute technische
Grundlage haben, aber sie spielen vor allem die Stücke von irgendwelchen
CDs nach und dann gründen sie eine Gruppe, sehr bald schon. Sie haben nicht
die Geduld, ihre Fähigkeiten langsam in der Szene zu entwickeln, bis sie
wirklich ausgereift sind.
So sind einige überhaupt nicht in der Lage, die Leute als Solo-Musiker zum
Tanzen zu bringen. Ich denke da zum Beispiel an die Akkordeonisten. Sie beherrschen
den Stil nicht, sie wissen gar nicht, wie das geht. Also, wenn sie sich dann
zu zweit zusammentun, dann findet man da noch weniger Stil. Es ist wahr, sie
beschäftigen sich nicht mit der Recherche, mit der Qualität von Musik
und Stils. Sie verfeinern ihren Stil nicht und auf diese Weise übernehmen
sie nur die vorgegebenen Muster, die Klisches und die Arrangements der Leute,
die bereits seit 30 Jahren und mehr Musik machen.
"Die Fest-Noz-Musik, das ist irgendwo immer das gleiche. Lediglich
die Instrumentierung wurde mit der Zeit ein bißchen variantenreicher, mit
Saxophon und so. Heutzutage mischt man ein bißchen was von Skolvan mit
einer Portion Ar Re Yaouank, c'est ça ... und schon hat man eine neue
Gruppe."
Das sind dann zwangsläufig nur Kopien - sie suchen nicht nach neuen Melodien.
Da hört man immer das gleiche. Auf der anderen Seite gibt es zum Beispiel
bei Dastum tausende von gesammelten Melodien. Da sollten sie sich mal auf die
Suche machen - auf geht's.
Die Fest-Noz-Musik, das ist irgendwo immer das gleiche. Lediglich die Instrumentierung
wurde mit der Zeit ein bißchen variantenreicher, mit Saxophon und so. Heutzutage
mischt man ein bißchen was von Skolvan mit einer Portion Ar Re Yaouank,
c'est ça ... und schon hat man eine neue Gruppe.
Skolvan, Ar Re Yaouank, das sind zwei starke Einflüsse, die fast alle nachahmen.
Deshalb findet man auch wenige "sonneurs en couple". Die Bombarde-Binioù-Musiker
tun sich sofort mit einer Gruppe zusammen. Sie versuchen es gar nicht - außer
einige wenige vielleicht, wie zum Beispiel Julien Cornic aus Lannion, der weiterhin
mit seinem Bruder als "couple" zusammenspielt. Viele versuchen es gar nicht erst.
Die jungen Akkordeonisten spielen so gut wie gar nicht alleine. Das ist ein Manko.
Es ist schon schwierig, alleine oder zu zweit einen Stil zu entwickeln, zu zehnt
ist es unmöglich!
Das hat aber auch noch einen anderen Grund - und das ist eine grundsätzliche
Kritik, die die Bretagne betrifft: in allen europäischen Ländern gibt
es Archiv-CDs, die das musikalische Erbe dokumentieren. In der Bretagne gibt
es da so gut wie nichts! Außer vielleicht der Reihe bei ArMen kenne ich
keine Archivaufnahmen alter bretonischer Musik. Dastum hat sein Musikarchiv,
das aber erst in den frühen 70er Jahren einsetzt und ich bedauere dieses
Fehlen alter Aufnahmen in der Bretagne. Keiner hat das gesammelt - ich verstehe
nicht warum.
Bei Dastum soll eigentlich eine CD mit Liedern erscheinen, die F.M.Luzel gesammelt
hat - die Melodien, die Ifig Troadeg gesammelt hat. Ich hab's noch nicht gehört,
aber das ist eine gute Idee. (A.d.V.: diese CD ist mittlerweile erschienen: Gwerzioù ha
sonioù Bro Dreger)
Hat das nicht auch wirtschaftliche Gründe? Eine CD mit so alten Aufnahmen
verkauft sich sicherlich nicht so gut?
Klar, aber das sind ja Organisationen, die keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen.
Es ist schade, daß das keiner macht, denn einerseits ergäben sich
da sicher keine hohen Auflagen, aber andererseits trägt sich die Veröffentlichung
solcher dokumentarischer Archive problemlos selber.
Das würde die jungen Musiker doch motivieren, sich die alten Sachen anzuhören?
Und es wäre auch einfacher als das Durchstöbern der Archive.
Sicher, es ist schwierig die Archive zu konsultieren. Da braucht man viel Zeit.
Oft sind die Sammlungen auch schlecht geordnet.
Und die Leute suchen derartige Aufnahmen. Einmal zum Beispiel wurde eine Platte
mit Akkordeonaufnahmen von (Jean) Coatéval, einem alten Musiker, veröffentlicht,
Musik aus den Bergen. Noch im selben Jahr spielten alle Bagadoùs bei den
Wettbewerben seine Melodien. Das zeigt doch, daß die Leute solche Referenzen
suchen. Ich glaube also, die Leute lassen sich schon von den älteren Melodien
inspirieren. Aber leider sind diese Quellen nur in beschränktem Maß zugänglich.
(Interview und Übersetzung: Wilhelm Rodrian)
Kontakt Éditions Bro Dreger:
Didier Bécam
87, bis impasse de Rohellou
F-22700 PERROS-GUIREC
Tel: 0033-2-96 91 06 84
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