Das
Internet ist eine geniale Begegnungsstätte - mitunter. Hier kann man Bekanntschaften mit so interessanten Persönlichkeiten
machen, wie beispielsweise mit Bernez Boulc'h, einem der Pioniere des Internets
im Dienste der bretonischen Kultur.
Im vergangenen Sommer 2002 kam es zu einer ersten Begegnung, nachdem bereits
etliche e-mails einen intensiven Kontakt begründet hatten. Und nun erzählt
uns Bernez von seinen Erlebnissen und Erfahrungen in den vergangenen 20 Jahren...
1984 begann ich mich um den Buchladen Ar Bed Keltiek in Brest zu kümmern.
Ich war bei Gweltaz Ar Fur angestellt, er war Chef von Ar Bed Keltiek
in Quimper. Daraufhin habe ich selbständig den Buchladen im Stadtzentrum
von Brest eröffnet
und hatte dort einen Pachtvertrag die Nutzung des Namens Ar Bed Keltiek. Das
war 1988.
Im Laufe des Jahres 1996 begann man viel vom Internet zu sprechen und ich fand
das ziemlich bald sehr genial. Es ermöglichte mir das, was ich in dem Buchladen
machte, besser zu präsentieren.
Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich nur Leute erreichen, die nach Brest kamen
oder Leute, die in der Umgebung von Brest wohnten.
Über das Internet kann man sofort Leute von weit weg oder eben weltweit
erreichen. Mein Interesse für das Internet begann mit der Überlegung,
wie ich eine Homepage gestalten könnte. Da ich keine Ahnung vom programmieren
hatte, informierte ich mich bei Unternehmen, die mir Seiten erstellen könnten.
Als ich die teuren Tarife sah (die Seite sollte unbedingt dreisprachig erscheinen:
französisch, bretonisch, englisch) wegen der vielen Seiten, da habe ich
schnell eingesehen, dass das nicht so realistisch war, was aber nichts daran änderte,
dass mir das Internet trotzdem gut gefiel.
Aber du hast das Programmieren nicht gelernt ?
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich gar nichts, ich wusste nichts über Informatik.
Bis ich Paul Divannac´h kennen lernte, der Informatikprofessor an der
Handelshochschule hier in Brest war. Er unterrichtete seine Studenten in Theoriekursen
und er war gerade auf der Suche nach Unternehmensprojekten für Praktika.
Wir haben eine Partnerschaft geschlossen zwischen Ar Bed Keltiek in Brest und
der Hochschule, um eine Homepage im Internet zu installieren.
War das eine Partnerschaft mit Vertrag und allem ?
Ja, das war eine Partnerschaft mit einer Art Beratervertrag eines Unternehmens,
um eine Seite im Internet zu gestalten. Da ich mich in meinem beruflichen Bereich
gut auskannte, wusste ich genau, was ich auf der Seite haben wollte. So wollte
ich zum Beispiel die monatlichen Neuerscheinungen vorstellen. Andererseits hatte
ich überhaupt keine Ahnung, wie man da von der technischen Seite herangehen
musste, dafür
war Paul da. Wir haben gemeinsam einen ersten Entwurf der Seite erarbeitet.
Aber das war nicht die Seite, unter der man Ar Bed Keltiek heute in Internet
findet ?
Nein,
der Entwurf hat sich verändert. Ich habe Paul erklärt, was ich machen
wollte und er hat mir die Seite aufgespielt. Allmählich war es dann ich,
der die Seite pflegte, aktualisierte mit den monatlichen Neuerscheinungen. Die
Homepage begann mit gut zehn Seiten, so nach und nach entwickelten die wir die
ganze Geschichte weiter und jetzt umfasst die Homepage einige hundert Seiten.
Anfangs war es vor allem eine Seite, auf der Bücher vorgestellt wurden und
die Leute wollten die Bücher
dann sehr schnell auch per Internet bestellen.
Also begannen wir daran zu arbeiten, eine Shop aufzubauen und einen sicheren
Zahlungsmodus sowie die gesamte Infrastruktur und Logistik zu entwickeln, die
eine kommerzielle Seite ausmachen. Wir haben die Seite entwickelt und bis Januar
2000 habe ich mich um die Seite gekümmert. Von diesem Zeitpunkt an habe
ich das Projekt dem aktuellen Team von Ar Bed Keltiek überlassen.
Inzwischen war das Internet zu einer wahren Leidenschaft geworden. Ich hatte
Freunde wie Didier Squiban und Manu Lann Huel ,
die für L'OZ-Produktion arbeiteten. Da ich die Arbeit von L'OZ-Produktion
sehr interessant fand, schlug ich ihnen vor, für sie eine Seite im Internet
aufzubauen. Die Seite ging im Juni 1997 online. Sie präsentiert alle Künstler,
alle von OZ produzierten CDs samt Musikeinspielungen.
Bist du immer noch verantwortlich für die Seite von OZ-Produktion ? Kümmerst
du dich noch darum ?
Ja, ich kümmere mich um diese Seite. Die aktuelle Version ist zwei Jahre
alt. Ich werde die neue Version ca. im März
2003 hochladen.
So
war ich also 16 Jahre lang Buchhändler. Nach 16 Jahren wollte ich was anderes
machen. Meine Freunde von Brittany Shops, Thierry Cayot und Frédéric Lachèvre wussten,
dass ich bei Ar Bed Keltiek aufgehört hatte und schlugen mir vor, mich ihnen
anzuschließen. Ich sollte bei Brittany Shops einsteigen und die Seite entwickeln,
weil sie keine Zeit mehr hatten, sich darum zu kümmern. So kam es, dass
ich mich seit Februar 2000 um die Seite von Brittany Shops kümmere.
Brittany Shops befindet sich in Quimper. Anfangs wurde es von Thierry Cayot und
Frédéric Lachèvre gegründet. Dann haben die beiden
eine Gesellschaft gegründet
die "Made in B." heißt. Das ist eine Web-Agentur, die eine Filiale
des CMBC (Crédit Mutuel de Bretagne) wurde und Brittany Shops ist
eine Art Filiale von "Made in B." geworden.
Arbeitest du da jetzt Vollzeit ?
Ja, ich arbeite da Vollzeit. Wir haben Brittany Shops entwickelt. Wir sind jetzt
bei Version 6, die wir letzten Juni ins Netz gesetzt haben. Und letztes Jahr
haben wir die bretonischen Musik-Labels kontaktiert. Ich wusste, dass sie gerade
dabei waren, sich in einer Assoziation zusammenzuschließen (heute "Muzik
e Breizh"), um zu versuchen, die Musik in der ganzen Bretagne besser zu födern.
Sie sprachen vage davon, eine Homepage zu machen. Also habe ich Kontakt mit ihnen
aufgenommen und wir haben ihnen vorgeschlagen, die Entwicklung der Seite sicher
zu stellen, um diesen Dachverband der bretonischen Labels, der Produzenten, zu
unterstützen.
Das Ziel bei musiques-bretonnes.com ist
es, alle in der Bretagne erschienenen CDs zum Verkauf zu präsentieren. Nicht
unbedingt traditionelle bretonische Musik, das kann Rock, Jazz oder vielleicht
klassische Musik sein, alle Richtungen, jegliche Musik, die in der Bretagne gemacht
wird. Sie hat einen festen Platz auf der Seite von musique-bretonnes.com. Aktuell
haben wir ca. 900 - 1.000 CDs im Angebot. Wir haben jetzt alle CDs der Label,
den Großteil zumindest - und suchen nun auch alle selbst produzierten CDs.
Es gibt oft Gruppen, die kleine CDs veröffentlicht haben. Also haben wir
uns bemüht sie zu kontaktieren. Wir wollen ihnen vorschlagen, dieses Online-Verkaufsprinzip
zu nutzen, um ihre CDs zu präsentieren.
Wir haben ja das Know-How dank Brittany-Shops. Wir haben viel Erfahrung mit Logistik,
der Promotion, mit all dem, was man im Online-Verkauf tun und wissen muss. Wir
setzen all unsere Kompetenz in den Dienst dieser Seite musiques-bretonnes.com.
Hat der Euro den Verkauf leichter gemacht ? Hat das was verändert ?
Ich
glaube nicht, daß das viel verändert hat. Es hat das Währungsverständnis
im Geiste der Leute verändert. Ich weiß, dass es jetzt einfacher ist,
ich verstehe den Dollar-Kurs besser dank dem Euro und ich glaube für die
Leute ist es in ganz Europa einfacher, den genauen Wert der Produkte wie beispielsweise
der CDs einzuschätzen.
Was die Zahlungsbedingungen angeht, so glaube ich, dass die Leute große
Schwierigkeiten haben, weil eine sehr miese Presse gemacht wurde.
Anfangs hat das Internet vielen Leuten angst gemacht, weil immer wieder gesagt
wurde, das Internet unterstütze Pornographie und extremistische Ideen..
Dann war es die Angst, dass man einem die Kartennummer geklaut werden könnte
im Internet, das war total verrückt.
Jetzt ist das Zahlungssystem im Internet wirklich abgesichert. Es ist weniger
riskant, im Internet seine Nummer geklaut zu bekommen als in jedem reellen Zahlungsverkehr,
sei es in einem Restaurant oder in einem Buchladen...
Das Internet ist jetzt immer noch so. Will man per Internet etwas kaufen, muß man
wissen, an wen man sich wendet, wer am anderen Ende ist, ob das vertrauenswürdige,
seriöse Leute sind. Aber man kann nicht sagen, dass der Zahlungsverkehr
per Internet gefährlich ist, wenn man die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen
beachtet.
Gibt es für die Zukunft Projekte ?
Wir
haben große Pläne mit Brittany Shops und musiques-bretonnes.com Im
Moment präsentieren
wir bei musiques-bretonnes com. nur CDs. Wir haben noch keine Musikeinspielungen.
Wir haben diese Seite gemacht, weil wir die technischen Mittel haben. Wir haben
kompetente Leute, um Datenbanken zu entwickeln, um diese ganze Arbeit zu machen.
Eine Seite aufzubauen ist nicht so sehr eine Frage des Geldes, sondern nur eine
Frage der Zeit. Eine Seite wie musiques-bretonnes com. macht noch keinen Erfolg,
das ist auch nicht das Ziel.
Unser vorrangiges Ziel ist es immer noch, ganz im Geiste von Brittany Shops,
die Bretagne bekannt zu machen, bretonische Künstler zu unterstützen
und ihre Musik. Man könnte noch viel mehr machen: z.B. Musikstücke
vorstellen, Videos zeigen. Aber dann hätten wir wieder ein finanzielles
Problem mit den anfallenden Kosten für das webhosting. Bisher benötigen
wir bei Made in B. nicht allzu viel Speicherplatz bei unserem Webbetreiber. Bei
uns ist es jetzt notwendig, außerhalb Speicherplatz bei einem Anbieter
zu mieten und da brauchen wir dann vor allem einen qualitativ hochwertigen Anbieter.
Bisher können
wir es uns noch nicht erlauben Musik oder Videos online zu stellen. Aber ich
denke, dass wir das bald machen werden. Im Moment geht es noch nicht.
Gibt es schon eine Bilanz über den Erfolg von musiques-bretonnes.com
?
Noch ist die Seite unrentabel - wir verkaufen ca. 2-3 CDs am Tag. Es bräuchte
ca. 5 Verkäufe pro Tag, um die Kosten zu decken. Aber die Seite ist auch
erst eineinhalb Jahre alt. Zur Zeit haben wir etwa 10.000 Besucher im Monat.
Die Seite existiert bislang auch nur in französischer Sprache. Es ist eine
englische und eine bretonische Version geplant, wie wir das bei Brittany Shops
auch gemacht haben. Man könnte auch gut eine deutsche, spanische und italienische
Version entwickeln. Aber all das ist eine Frage der Zeit und im Moment haben
wir keine Zeit, das zu entwickeln. Wir werden das in den nächsten
Monaten machen.
(Interview: Willi
Rodrian - Übersetzung: Petra Rodrian,
2003)
|