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BESPRECHUNG
In regelmäßigen Abständen erscheinen
in der Bretagne Bücher, die sich in die sozio-politische Diskussion um die
bretonische Identität und um die unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der
politischen und wirtschaftlichen Zukunft der Region einmischen und sich mit diesen
Aspekten auseinandersetzen.
Nicht selten sind dies Bücher, die polarisieren,
die Stellung beziehen und wie es unter anderem auch über das neue Buch "Aborigène
occidental" von Michel Tréguer geschrieben wurde: "C'est un livre « politiquement
incorrect » qui appelle un chat un chat". Es handelt sich also um eine
Publikation bzw. ein Autor, welcher das
Kind beim Namen nennt und eine Position einnimmt, die nicht immer und bei allen
gut ankommt.
Worum geht es und wer ist Michel Tréguer ?
Michel Tréguer gehört
zu den Bretonen, die ihre bretonischen Wurzeln erst spät, in seinem Fall
mit 30 Jahren, entdecken. Er wurde als Sohn eines Lehrers geboren, wird Schriftsteller
und Filmemacher und veröffentlicht
später gemeinsame Bücher mit René Girard ("Quand ces choses
commenceront...")
und Donatien Laurent ("La nuit celtique").
"L'iconnu, c'était mon pays..." Die späte Entdeckung
seiner bretonischen Identität gerät zur ebenso zur Erforschung dessen, was sich
ihm im Laufe der Jahre als bretonische Identität eröffnet wie auch zur Introspektion
der eigenen Person(/Persönlichkeit.
Michel Tréguer nähert sich dem,
was die bretonische Identität in historischer wie auch in politischer und emotionaler
Hinsicht ausmacht also von aussen und von innen. Im Vergleich mit den Eingeborenen,
den "aborigènes" in Amazonien oder Amerika sieht und beschreibt er sich als einen
Eingeborenen des Abendlandes, als "aborigène occidental". Dabei geht
er sehr intelligent und intellektuell an das Phänomen Bretagne zu.
Er analysiert Entwicklungen und
Persönlichkeiten, setzt sich mit diesen intensiv auseinander und nimmt auch die
unrühmliche Episode eines Teils der bretonischen Unabhängigkeitsbewegung während
der deutschen Besetzung Frankreichs im 2. Weltkrieg nicht aus. Die Kollaboration
bestimmter bretonischer Akteure hatte die bretonische Autonomiebewegung insgesamt
lange Zeit in Mißkredit gebracht und erst in den vergangenen Jahren zum
wiederholten Mal heftige Streitigkeiten entbrennen lassen.
Michel Tréguer spricht über diese Zeit, er nennt Dinge beim Namen und
sieht eine Mitschuld gegenüber den europäischen Juden aufgrund dieser Ereignisse.
Diese Haltung wurde nach Erscheinen des Buches teilweise heftig kritisiert und
brachte ihm nicht nur Freunde ein.
Interessant vor allem sind seine Beschreibungen
und Auseinandersetzungen mit bekannten und teilweise umstrittenen Persönlichkeiten wie
bspw. Donatien Laurent, Morvan Lebesque, Jean Bothorel, Armand Robin, Michel
Le Bris, Le Gonidec, Le Villemarqué, Roparz Hemon oder auch Françoise
Movan.
Letztere hatte vor zwei Jahren ein Buch veröffentlicht, in dem sie den Kulturchauvinismus
und Nationalismus bestimmter bretonischer Einrichtungen und Persönlichkeiten
anprangerte und damit einen lange andauernden Streit um die von ihr beschriebenen Ereignisse
ausgelöst.
Tréguer's Buch wurde unter anderem als eine Art Antwort
auf diese Veröffentlichung erwartet, setzt sich im entsprechenden Kapitel jedoch
nur intelligent und ohne die Polemik weiter zu vertiefen mit F. Morvan und ihren
sehr persönlichen Schilderungen auseinander.
Die Mythen, die Legenden und die Realitäten bretonischer
Identitätsbildung werden engagiert aber auch entspannt und vielschichtig betrachtet
und analysiert. Das macht dieses Buch auf der einen Seite sehr spannend lesbar,
bietet auf der anderen Seite aber auch viele interessante Informationen und (Ein-)Blicke,
die bisher in dieser Form noch nicht vorlagen.
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