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MUSIQUE BRETONNE
Histoire des sonneurs de tradition
Le Chasse-Marée/ArMen, 1996
512 Seiten, über 500 Abbildungen, Format: 24 x 31 cm
Preis: FF 89,94 €
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Buchbesprechung - Bildbeispiele - Inhaltsangabe
Dieses im wahrsten Sinne des Wortes "schwere" Buch ist zwar bereits 1996 erschienen, stellt aber auch 8 Jahre später noch immer DAS Standardwerk in Sachen bretonische Musik dar.
Auf über 500 Seiten und in hochwertiger Produktion - inhaltlich und vom Druck her - hat hier ein Kollektiv von weit über 100 sach- und fachkundigen Autoren eine umfassende Veröffentlichung zusammen gestellt, die bislang nicht ihresgleichen gefunden hat.
Unter der Leitung von so bekannten Kennern der bretonischen Musik und Kultur wie Michel Colleu, Laurent Bigot, Yves Labbé, Roland Becker, Yves Defrance, Gilbert Hervieu, Christian Morvan und vielen anderen konnte mit "Musique Bretonne" eine Darstellung der bretonischen Musik herausgegeben werden, die für jeden Interessierten eine unvergleichliche Fundgrube bietet.
Ermöglicht wurde die Fertigstellung dieses Jahrhundertwerkes durch die finanzielle Unterstützung des Conseil Général du Finstère und des Institut Culturel de Bretagne/Skol-Uhel ar Vro.
Insgesamt acht Kapitel schlagen einerseits den historischen Bogen von den frühsten Anfängen und Zeugnissen bis hin zur Gegenwart Ende des 20.Jahrhunderts. Daneben werden jeweils in speziellen Einschüben die Instrumente ebenso wie stilistische Phänomene oder auch das Handwerk der Instrumentenbauer dargestellt.
Demnach beginnt die (mit Dokumenten und anderen Zeugnissen) belegbare Geschichte der bretonischen Musik im Mittelalter der bretonischen Fürsten mit den Barden und Gauklern. An den Höfen ist die Harfe das Instrument, das immer wieder Erwähnung findet, dessen Wiederentdeckung für das Repertoire der bretonischen Musik allerdings erst Mitte des 20.Jahrhunderts durch Jord Cochevellou und dessen als Alan Stivell bekannt gewordenen Sohn eingeleitet wurde.
Parallel dazu, in der Provinz, feierten die Bauern mit der Drehleier und den geläufigeren Instrumenten wie Dudelsack oder Bombarde ihre Feiertage. Dieses Instrumentarium sollte sich dann bis zur Epoche der Restauration weiter entwickeln und findet Einzug in das bürgerliche Leben der Städte.
Die Zeit nach der Restauration, die Zeit der romantischen Aufwertung und Verklärung des bäuerlichen Lebens in ganz Europa stellt auch eine Zeit der Blüte der frühen bretonischen Musik dar. Dementsprechend ist dieser Epoche zwischen 1820 und 1870 auch ein eigenes Kapitel gewidmet: "La musique de tradition populaire entre 1820 et 1870".
In dieser Zeit kam es in Frankreich und in der Bretagne zur Erfindung der "Folklore" und das einfache, bäuerliche Leben fand - zumindest in seinen äußerliche Ausprägungen - Interesse und Niederschlag in der bürgerlichen, höfischen kultur und vor allem in der Kultur des bretonischen Landadels.
In dieser Zeit kam es auch zu einer enormen Entwicklung und Verfeinerung dessen, was wir heute als die traditionelle bretonische Musik bezeichnen würden. Neben der typischen Besetzung der bretonischen Kapelle ("l'orchestre national breton") mit binioù, bombarde und tambour finden langsam neue Instrumente ihren Einzug in das bretonische Instrumentarium: zum Beispiel die Geige und die Klarinette.
Das nächste große Kapitel des Buches ist der Zeit zwischen 1870 und 1940, bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges, gewidmet. In diese Epoche fällt das sogenannte "age d'or" der typischten Erscheinung der traditionellen Musik in der Bretagne, des "couple binioù-bombarde". Zwei "compères" finden sich und schaffen sich im Laufe der Jahre ihr ganz eigenes Repertoire, ihren Stil und spielen nicht selten ihr ganzes Musikerleben zusammen bei Hochzeiten und anderen wichtigen Festen zum Tanz auf.
Dieses Genre der bretonischen Musik hat sich tatsächlich bis heute erhalten und erlebt gerade in den vergangenen Jahren wieder ungeahnte Blüten, was nicht zuletzt der wachsenden Popularität des "Championnat de Bretagne de musique traditionnelle" zuzuschreiben ist, das alljährlich in Gourin stattfindet.
In diesen Zeitraum fällt auch die Ankunft des Akkordeons in der bretonischen Musik, das vor allem in Form des diatonischen Akkordeons ab ca. 1900 seinen Siegeszug in der Bretagne antrat.
Zu Beginn des 20.Jahrhunderts tritt die traditionelle Musik in der Bretagne dann in der Form auf, wie man sie üblicherweise als Ursprung der heutigen bretonischen Musik beschrieben findet.
Die traditionellen Musiker spielen mit den zu diesem Zeitpunkt etablierten Instrumenten Melodien und Rhythmen bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen in erster Linie zum Tanz auf:
beim Karneval, bei kirchlichen und weltlichen Festen wie den Wallfahrten, den Pardons, und nicht zuletzt beim traditionellen bretonischen Ringkampf, dem "gouren".
Vor allem im Laufe des 1.Weltkrieges wurden die bretonischen Musiker mit ihren Dudelsäcken und Bombardes an die Front geschickt, um den Feind nach Art der schottischen Pipe-Bands durch die ungewohnten Klänge zu verwirren.
Der männliche Anteil der bretonischen Bevölkerung litt erheblich, da die französische Regierung vorzugsweise Bretonen in den Schützengräben verbluten ließ. Die Bretagne selber wurde nach Kriegsende als "Witwen- und Waisenhaus" bezeichnet.
Vor allem im bäuerlichen Jahreszeitenkalender fand die traditoinelle Musik ihren Platz: bei allen möglichen Gelegenheiten, bei der Ernte und auf den Märkten spielten die "couples" und brachten die Leute zum Tanzen.
Ebenso bei den diversen Dorffesten und in den sogenannten "cafés dansants". Der wichtigste Anlaß, traditionelle Musiker einzuladen war jedoch für lange Zeit die Hochzeit. Bei dieser Gelegenheit konnten die sonneurs ihr gesamtes Können präsentieren. Für jeden Abschnitt einer bretonischen Hochzeit gab es eine eigene Melodie oder die entsprechenden Märsche und Tänze.
Kapitel 5 des Buches beschäftigt sich dann mit der "Schule", der Überlieferung der traditionellen Musik, stellt die historische Entwicklung den Berufes "Musiker" dar und zeigen auch die modischen Veränderungen, zu denen es im Laufe der Zeit kam.
Auch die Instrumentenbauer haben in diesem Klassiker zur bretonischen Musik ihren Platz gefunden. Das gesamte Kapitel 6 befaßt sich mit der Tradition des Instrumentenbaus von binioù, bombarde und veuze (der kleinen, mittlerweile fast ausgestorbenen Variante des Dudelsackes). Hier finden sich hervorragende Erläuterungen und Abbildungen zur Konstruktion und Spielweise dieser Instrumente.
Die letzten beiden Kapitel widmen sich, beginnend etwa um 1870, dem Wandel der bretonischen Musik von einer Tradition zur Folklore. Bestimmend dafür waren unter anderem das langsame Verschwinden der bäuerlichen Gesellschaft aus dem Alltag im 20.Jahrhundert und die Institutionalisierung der Musik.
Wo die traditionelle Musik lange Zeit ein Berufszweig war, der vorwiegend bei ganz klar definierten Anlässen und Festivitäten zum Einsatz kam, entwickelte die traditionelle regionale Musik (wie anderswo in Europa auch) nun eine Eigendynamik, die ihre Grundlagen nachhaltig veränderte: es war die Zeit der "folkloristes", der (teils Hobby-)Forscher, die sich aufs Land begaben, um dort die romantisch verklärten Wurzeln einer "art musical de tradition populaire" zu suchen und entdecken. Es gab die ersten Tonaufzeichnungen, die bereits in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhundert kommerziell verwertet wurden.
Danach kommt es zu einer immer schnelleren und intensiveren Entwicklung der bretonischen Musiktraditionen. Der gesellschaftliche Wandel, der die bäuerliche Gesellschaft in den Hintergrund drängt, bringt auch eine ganz neue Positionierung der traditionellen Musiker mit sich. Das Repertoire, die Instrumentierung und die Einsatzmöglichkeiten verändern sich und die Musik öffnet sich, mischt sich immer mehr, beispielsweise mit der Tanzmusik der 30er und 40er Jahre. Jazz und Tango und alle möglichen anderen Einflüsse verwässern die Tradition, erweitern aber auch das Spiel und das Spektrum der Musiker.
Schließlich kommt es nach dem 2.Weltkrieg zum bedeutendsten Wandel, den die musikalische Tradition in der Bretagne bis dahin erlebt hat: in den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts entsteht die sogenannte Folkmusik und eine ungeheure Aufbruchstimmung macht sich breit.
Auf der einen Seite enstehen in der Bretagne die "cercles celtiques", Heimatvereine, die sich der Brauchtumspflege auf breiter Basis verschreiben (Musik, Trachten, Tänze, etc...) und es wachsen allerorts Festivals während der touristischen Sommermonate aus dem Boden.
Andererseits entwickelt sich aus der eher politisch motivierten Strömung der Folk-Bewegung eine neue Tendenz, für die man stellvertretend Alan Stivell anführen kann. Bretonische Musiker, die den Celtic Folk und den Celtic Rock begründen und sich mit dieser Musik auf die Seite der progressiven, zumeist linken Gewerkschaften und Parteien stellen.
Parallel dazu entstehen seit etwa den 40er Jahren die bagadoù, die bretonischen Pipe-Bands, die sich in den folgenden Jahrzehnten zum Übermittlungsmotor der musikalischen Tradition in der Bretagne entwickeln.
Danach geht es Schlag auf Schlag. Die Kultur der Festoù-Noz, der "traditionellen" Tanzfeste wird erfunden und immer mehr perfektioniert und die Folkbewegung schlägt Anfang der 70er Jahre in der Bretagne um in eine ernsthafte Beschäftigung mit der musikalischen Überlieferung.
Allen voran zu nennen ist hier die Gründung und die Sammeltätigkeit des Vereins Dastum. Junge Musiker und Nichtmusiker ziehen mit ihren Magnetophonen über das Land und nehmen die alten Lieder und Melodien auf. Daraus entsteht im Lauf der Jahrzehnte ein beeidruckendes Archiv (und die médiatèques Dastum), in denen sich junge Musiker heute ihre Anregungen holen.
Darüber hinaus kommt es in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts überall in der Bretagne zur Gründung von Vereinen, Organisationen und Institutionen, die den Zweck haben, die lokale und regionale Musik zu bewahren, weiterzuentwickeln und den Nachwuchs zu fördern.
Das ungefähr ist die grandiose und ausführlich dargestellte Geschichte der bretonischen Musik, wie sie in diesem absolut empfehlenswerten Buch vor dem Leser ausgebreitet wird.
Eine unglaubliche Fülle an Bildmaterial, Karten, Zeichnungen und Photgraphien illustriert und ergänzt die Textbeiträge und macht dieses Buch zu einer Publikation, die man auch Jahre später immer wieder gerne zur Hand nimmt, um darin nachzuschlagen oder einfach nur zu schmökern
Inhalt:
I. Bardes, ménétriers et sonneurs avant la Révolution
A. La Bretagne indépendate et ducale: Bardes, jongleurs et ménestrels
B. La Bretagne province: L'ère des ménétriers ou sonneurs
C. Cornemuse et hautbois en Bretagne avant la restauration (1820)
II. La musique de tradition populaire entre 1820 et 1870
III. Les aires de jeu des instruments entre 1870 et 1940
IV. L'activité des sonneurs au début du xxe siècle
V. Les sonneurs: des musiciens et des animateurs
VI. Binious, veuzes et bombardes: les facteurs et leurs instruments
VII. La folkorisation de la tradition sous la IIIe République
VIII. Vers une autre musique bretonne: 1945-1996
A. D'une civilisation à une autre: passage de témoin...
B. Les derniers sonneurs issus de l'ancienne tradition
C. Répertoires et styles de jeu
D. La redécouverte des traditions instrumentales populaires
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