BESPRECHUNG
Marie-Noëlle Fournier lebt
seit zwanzig Jahren in Deutschland. In ihren Gedichten und Kurzgeschichten schildert
die aus Nantes stammende Schriftstellerein und Dichterin die Probleme, mit denen
sie durch diesen Ortswechsel konfrontiert war und ist.
Die in deutsch und französisch
schreibende Autorin lebt seit ihrem 22. Lebensjahr in Oldenburg und unterrichtet
dort Französisch. Eine Veröffentlichung von Novellen ist in Vorbereitung und
für ihre bisherigen Veröffentlichungen konnte sie bereits diverse nationale und
internationale Auszeichnungen gewinnen.
Sowohl sprachlich wie auch inhaltlich
stellt die vorliegende Veröffentlichung aus dem Jahr 2002 Marie-Noëlle
Fourniers Suche nach der eigenen Identität zwischen ihrer französischen Herkunft
und ihrer deutschen Gegenwart dar. Dies spiegelt auch die Edition dieses Buches
wieder: sämtliche Gedichte sind zweisprachig abgedruckt
- Seite an Seite nachzulesen und zu vergleichen.
Die Erzählungen dagegen sind nur
teilweise auch in einer französischen Fassung präsent und zum Ende des Buches
überwiegen die deutschen Texte, was dem Leser den Eindruck vermittelt, dass die
neue, zweite Heimat in Deutschland immer wichtiger wird.
Die Texte reichen tief in das
Gefühlsleben der Autorin hinein und geben ihre Zerissenheit und ihr Bedürfnis
nach Geborgenheit und einem Gefühl von "zuhause" wieder. Die große Distanz zur
Familie und die teils positiven, teils negativen Erlebnisse in der neuen Wahlheimat,
kleine, aber intensive Beobachtungen der Menschen aus der Distanz einer "Fremden"
- kulturell und sprachlich - machen den Reiz der erzählungen aus.
Wie geht es einer Fremden aus
dem europäischen Ausland, die bei uns nicht aufgrund äußerlicher Merkmale zu
den sogenannten Gastarbeitern in eine Schublade gesteckt wird, im Verlaufe ihrer
Integration in unsere Gesellschaft. Wie groß sind die Unterschiede dieser Gesellschaften.
All dies schildert Marie-Noëlle
Fournier spannend, unterhaltsam und fesselnd in ihren Kurzgeschichten, während
die Gedichte mehr die emotionalen Aspekte von Fremdheit und Integrationsbedürfnis
abbilden.
Seitenanfang |