Musiker und Musikerinnen in der Bretagne beweisen
in den vergangenen Jahren immer öfters, dass sie auch als "bretonische" Musiker
moderne und zeitgemässe Musik produzieren, ohne lediglich vorgegebene Muster
der anglo-amerikanischen Mainstream-Szene zu kopieren. Die französischen Traditionen
des Chanson und der dramatisch-erzählenden Lieder, gepaart mit einer ordentlichen
Portion regionalem Individualismus kennzeichnen diese neuen Produktionen.
So auch im Fall der aktuellen CD des Duos "les Oisives", der urbanen "Müßiggänger"
aus Rennes Sylvie Jourdan und Soazig Le Lay. Die erstere begann ihre musikalische
Biographie als Strassenmusikerin, begleitete sich selber auf dem Akkordeon in
den Gassen von Saint-Malo und später in Paris, auf dem Montmartre. Dort sang
sie zuerst die Lieder anderer Chansoniers, komponierte dann eigene Lieder. Heute
ist sie die eigentliche Seele des Duos "les Oisives": sie schreibt die Texte,
die Alltagsszenen und Liebesdialoge beschreiben. Sie komponiert die Melodien
zu den musikalischen Anekdoten und haucht ihnen Leben ein.
Soazig Le Lay begann mit einer klassischen Cello-Ausbildung auf dem Konservatorium,
die sie später gegen eine elektrische Gitarre eintauschte, um schon bald als
Gitarristin und Sängerin der Gruppe "Zagohai" aus Rennes aufzutreten und Erfahrungen
zu sammeln.
2003 entstand dann das erste Album des Duos "Salto
arrière", das schon ahnen
ließ, welches erzählerische und dramaturgische Potential hier zum Vorschein kommt.
Das Album klingt mtunter wie die Musik zu einem melancholischen Film, der
urbane Abenteuer und Alltagsszenen schildert ("I go to sleep"), dann
sind da wieder Lieder voller Rhythmus und musikalischer Spielreude ("L'indécise").