Lieder singen und Geschichten erzählen - dass es bei Melaine
Favennec genau darum geht, das macht schon das Booklet seiner neuen CD "Hey !
Ho !" auf den ersten Blick deutlich.
Die Illustrationen seines Freundes François Borgeon, dem Autor und Zeichner
von Kultcomics wie "Les passages du vent", die dieser eigens für die CD geschaffen
hat, stehen für den persönlichen, sehr intimen Charakter des Albums.
Da sehen wir Melaine Favennec auf dem Front-Cover träumend, die kleinen Zeichnungen
verbildlichen auf geniale Weise die Titel wie "Les trois cavaliers" oder "La
rose des vents" und auf der Rückseite der CD-Hülle zieht M. Favennec als
einsamer Held, einem myhische Cowboy gleich dem Horizont entgegen, die Gitarre
über seiner Schulter.
Die Illustrationen rufen Assoziationen hervor und machen neugierig.
Und diese Neugier wird nicht enttäuscht. irgendwo zwischen Lied, Chanson und
Ballade bewegt sich Melaine Favennec, Urgestein der bretonischen Musikszene und
Mitglied des Trios "Ewen, Delahaye, Favennec", das 2003 das gemeinsame Album
"Kan Tri" eingespielt hatte, auf dem jeder
der drei Musiker eigene Kompositionen enbrachte. Einer der Titel findet sich
nun auch auf dem neuen Soloalbum von M. Favennec wieder: L'Île de Batz".

Je
ne suis pas dans la lune
Non, je suis dans l'île
Dans l'île était une fois
Dans l'île de Batz
4 Minuten romantische, leicht wehmütige Reflektion über das Thema der Verwurzelung
und der Sehnsucht nach Heimat. Das Lied dieser Reise auf die Inselund der Refrain
sind schon lange Kult und jeder Besucher der Konzerte von Favennec oder dem Tio
kann ihn auswendig mitsingen.
"Warum das Glück woanders suchen, wenn es so nahe liegt, auf der île de Batz,
wo man die Idylle finden kann ?" Aber - so die Idee der kleine histoire, die
Menschen tun sich eben nicht leicht, sich auf das einfache und nahe liegende
zu besinnen.
Melaine Favennec, ein Moralist der Glückseligkeit ?
Nein, wohl eher jemand,
der in seinen Liedern und in seinem Vortrag die persönliche Betroffenheit spiegelt,
die seinen Texten innewohnt. "Trois notes à mon piano", das erzählt von der Besinnung
auf das Wesentliche, auf das was bleibt am Ende des Tages, "Le plus bel âge"
ist eine zurückgelehnte Hymne auf die Schönheit der Jugend, die das Alter
in aller Ruhe zu würdigen weiß und mein persönliches Lieblingsstück
auf der CD "Setu" (ein 'bal plinn' ) besingt auf bretonisch die Elemente:
Wasser, Feuer, Erde...alles was man letzten Ende braucht.
Melaine Favennec singt mit
der für ihn typischen, einfachen Melodramatik vom Leben, von seinem Land "Mon
pays", das für ihn das Universum verkörpert, vom Himmel, von den Steinen,
von der Sprache, vom Wald und vom Tanz, der uns Flügel verleiht.
Er singt den Blues von Brest, dem Tor zur Welt, der großen Stadt im Wind,
von seiner Freundschaft zu Francois Bourgeon und vom Alter der Wolken in einer
Komposition von Hervé Lesvenan: "L'âge des nuages" und mit "Hey ! Ho !" schließlich
bezieht er sich auf die alte, universelle Philosophie der keltischen Barden...
Ein besinnliches Album in den Texten, das gleichzeitig abwechslungsreiche
und hörenswerte Arrangements bietet, niemals langweilig wird - ein Album das
in keiner Bretagne-Sammlung fehlen sollte.